WIE ALLES BEGANN

Ein sonniger Tag im Herbst 2008. Ich schlendere mit meinem Partner durch die Strassen von Winterthur. Trotz frischem Liebesglück und freundlichem Wetter ist die Stimmung getrübt. Mein letztes Arbeitsverhältnis war ein überraschendes Ende mit Schrecken und die Vorstellung mich an einem neuen Ort wieder anstellen zu lassen, kaum etwas zu verdienen da meine Grundausbildung obsolet ist, gefiel mir gar nicht. Ich war wütend.

Wir kommen in der inneren Tösstalstrasse vorbei und ein Anschlag im Buchladenschaufenster fällt uns ins Auge: "Zu verkaufen - Nachfolger gesucht" -Wir sehen uns an, lachen - und vergessen den Aushang wieder.
Doch nicht für lange. Immerwieder spricht mich Patrick darauf an, drängt mich das Gespräch mit der Ladenbesitzerin zu suchen. Aber ich hatte doch keine Ahnung! Wusste nicht wie teuer soetwas ist. Auch egal, finanziellen Rücklagen hatte ich ohnehin keine.
Irgendwann gehe ich doch. Frage schüchtern nach dem Angebot und wie das ablaufen würde. Ich müsste der Ladenbesitzerin den Restposten der Bücher, die Infrastruktur, Firmennamen, Mobiliar usw. abkaufen, das Lokal wäre zur Miete. Ich solle mich beeilen ist ihr Rat, der Hausbesitzer wolle das Haus verkaufen. Sie nennt mir einen Preis. -Gar nicht sooo viel... :)

Das Wochenende steht an und mein Freund und ich beginnen ein Luftschloss zu bauen. Was wir alles tun könnten mit einem eigenen Lokal. Patrick ist gerade dabei, sich als selbständiger Grafiker zu etablieren, -für ein Arbeitsplatz wäre also schon gesorgt. Wichtiger Punkt: Endlich, endlich könnte ich wieder einen Hund halten! Und wir könnten das.. und es wäre so.., und, und, und. Die Gedanken schlagen Purzelbäume. Je mehr wir darüber nachdenken, desto realistischer wird die Idee. Ich hatte einige Jahren zuvor einen Kurs zur Selbständigkeit besucht, spielte schon früher mit dieser Idee. In den letzten Jahren war ich als Geschäftsführerin in zwei verschiedenen Buchhandlungen tätig, hatte also erste Erfahrungen mit Organisatorischem und Personalführung. Die Buchhaltung würde sich sicher auch irgendwie bewältigen lassen.

Am Monatg also tief durchgeatmet, Mut gefasst und dem Hausbesitzer angerufen. Eine freundliche Männerstimme meldet sich "Nein, das sei schade, er habe soeben den Vertrag für den Hausverkauf aufgesetzt"... Unser Luftschloss zerfällt in tausend Wasserblasen! -Aus! Alles umsonst! Wieder ganz unten beginnen! Ich breche in Tränen aus!
Unter Schluchzen kann ich ihm noch mitteilen, er solle sich doch wieder melden wenn sich irgendetwas eröffnen sollte. "Könne er, sei aber unwahrscheinlich" versichert er mir.
Das war am Montag. Am Donnerstag ruft er wieder an. Als ich seine Stimme am Telefon erkenne, zittern meine Knien so stark, dass ich mich hinsetzten muss. Er verstehe nicht ganz weshalb, aber der Verkauf sei gescheitert. Ob ich das Lokal immer noch haben wolle...Aus lauter Euphorie fahre ich am Freitag zu ihm und unterschreibe eine zweijährigen Mietvertrag!