Seit über 20 Jahren eine kulturelle und soziale Institution

Seit über 20 Jahren prägt das Moderne Antiquariat Buchparadies Ruoss das Bild der Winterthurer Altstadt mit. Zu Beginn in der Steinberggasse und seit 2008 an der Inneren Tösstalstrasse 12.
2016 kam ein zweites Lokal hinzu. Mit wachsender Grösse waren immer mehr soziale Arbeits-Einsätze möglich. Abgesehen von Lehren, Schnupper-Lehren und Praktika, bot das Buchparadies auch diverse Integrations- und Arbeitsversuche an.
Mit Stolz lässt sich sagen, dass bereits sechs PraktikantInnen später einen Ausbildungsplatz als Buchhändler gefunden haben. Und das Buchparadies ist das einzige Antiquariat in der Schweiz, das eine Buchhändler-Lehrstelle anbietet: Diesen Sommer wird die zweite Lehrtochter ihre Ausbildung abschliessen!
Doch jetzt trifft es auch das Buchparadies Winterthur – die beiden Lokale generieren zu wenig Umsatz. Obwohl nachhaltiges Einkaufen im Trend ist, reicht es nicht für die Fixkosten. Es wird zu massiven Kürzungen in der Buchvielfalt und sogar zu Kündigungen kommen.
Im Moment umfasst das Sortiment der beiden Lokale etwa 40 000 Buchtitel zu allen Themen. Auf über 300 Quadratmetern präsentiert das Team – Lehrtochter, Praktikant, Teilzeitmitarbeiterin und Chefin – das wunderbare Buchsortiment. Im Sommer 2020 werden jedoch die Lehrtochter, sowie der Praktikant neue Arbeitswege gehen und das Buchparadies verlassen. Die Chefin wird die anfallende Arbeit nicht alleine bewältigen können und muss daher das Angebot wieder auf ein Lokal reduzieren und so weiter ums Überleben kämpfen. Darum gibt es ab sofort JEDEN SAMSTAG einen grossen Abverkauf an der Obergasse 20. Was besonders spannend ist - ich werde auch die Räume mit den Neueingängen öffnen. (Bücher die ich bekommen, aber noch nicht bearbeitet habe) Taschebücher kosten 5.-, Festeinbände 10.- 

Um den Laden an der Tösstalstrasse 12 zu erhalten, braucht es jetzt deine Unterstützung!
-Werde jetzt Mitglied beim Verein Pro-Buchparadies https://www.pro-buchparadies.ch/willkommen

WIE ALLES BEGANN

(Das ist das Kapitel "Luftschloss" aus meinem Buch "Das Paradies der Bücher"

Ein sonniger Tag im Herbst 2008. Ich schlendere mit meinem Partner durch die Strassen von Winterthur. Trotz frischem Liebesglück und freundlichem Wetter ist die Stimmung getrübt. Mein letztes Arbeitsverhältnis war ein überraschendes Ende mit Schrecken und die Vorstellung mich an einem neuen Ort wieder anstellen zu lassen, kaum etwas zu verdienen da meine Grundausbildung obsolet ist, gefiel mir gar nicht. Ich war wütend.

Wir kommen in der inneren Tösstalstrasse vorbei und ein Anschlag im Buchladenschaufenster fällt uns ins Auge: "Zu verkaufen - Nachfolger gesucht" -Wir sehen uns an, lachen - und vergessen den Aushang wieder.
Doch nicht für lange. Immerwieder spricht mich Patrick darauf an, drängt mich das Gespräch mit der Ladenbesitzerin zu suchen. Aber ich hatte doch keine Ahnung! Wusste nicht wie teuer soetwas ist. Auch egal, finanziellen Rücklagen hatte ich ohnehin keine.
Irgendwann gehe ich doch. Frage schüchtern nach dem Angebot und wie das ablaufen würde. Ich müsste der Ladenbesitzerin den Restposten der Bücher, die Infrastruktur, Firmennamen, Mobiliar usw. abkaufen, das Lokal wäre zur Miete. Ich solle mich beeilen ist ihr Rat, der Hausbesitzer wolle das Haus verkaufen. Sie nennt mir einen Preis. -Gar nicht sooo viel... :)

Das Wochenende steht an und mein Freund und ich beginnen ein Luftschloss zu bauen. Was wir alles tun könnten mit einem eigenen Lokal. Patrick ist gerade dabei, sich als selbständiger Grafiker zu etablieren, -für ein Arbeitsplatz wäre also schon gesorgt. Wichtiger Punkt: Endlich, endlich könnte ich wieder einen Hund halten! Und wir könnten das.. und es wäre so.., und, und, und. Die Gedanken schlagen Purzelbäume. Je mehr wir darüber nachdenken, desto realistischer wird die Idee. Ich hatte einige Jahren zuvor einen Kurs zur Selbständigkeit besucht, spielte schon früher mit dieser Idee. In den letzten Jahren war ich als Geschäftsführerin in zwei verschiedenen Buchhandlungen tätig, hatte also erste Erfahrungen mit Organisatorischem und Personalführung. Die Buchhaltung würde sich sicher auch irgendwie bewältigen lassen.

Am Monatg also tief durchgeatmet, Mut gefasst und dem Hausbesitzer angerufen. Eine freundliche Männerstimme meldet sich "Nein, das sei schade, er habe soeben den Vertrag für den Hausverkauf aufgesetzt"... Unser Luftschloss zerfällt in tausend Wasserblasen! -Aus! Alles umsonst! Wieder ganz unten beginnen! Ich breche in Tränen aus!
Unter Schluchzen kann ich ihm noch mitteilen, er solle sich doch wieder melden wenn sich irgendetwas eröffnen sollte. "Könne er, sei aber unwahrscheinlich" versichert er mir.
Das war am Montag. Am Donnerstag ruft er wieder an. Als ich seine Stimme am Telefon erkenne, zittern meine Knien so stark, dass ich mich hinsetzten muss. Er verstehe nicht ganz weshalb, aber der Verkauf sei gescheitert. Ob ich das Lokal immer noch haben wolle...Aus lauter Euphorie fahre ich am Freitag zu ihm und unterschreibe eine zweijährigen Mietvertrag!