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Porträt Deborah

Es ist mir eine Ehre im Buchparadies arbeiten zu dürfen. Eine bessere Lehrstelle, um den Beruf «Buchhändlerin» zu erlernen, hätte ich mir nicht vorstellen können. Mit diesem tollen Team und den vielen, den UNGLAUBLICH vielen Büchern, macht die Arbeit riesigen Spass. Ich lerne täglich Neues dazu. Verzeihen Sie mir jedoch, geehrter Kunde, wenn ich von Ihrem Lieblingsautor noch nie etwas gehört habe. Ich freue mich allerdings Sie in unserem kleinen Buchparadies kennenzulernen und mein Bestes geben zu können, um Ihnen zu helfen, dass perfekte Buch zu finden.
Noch ein kleines Zitat von Christopher Morley zum Schluss:
«Das Leben in einer Buchhandlung ist wie das Leben in einem Munitionslager. Diese Regale sind angefüllt mit dem gefährlichsten Sprengstoff der Welt- dem menschlichen Geist»

Debi Klein

Auf keine Fall darf Euch Debis Kapitel in meinem Buch vorenthalten werden: (Ein herzliches Dankeschön an Debi!)

VON DEBORAH AMOLINI, LEHRTOCHTER IM BUCHPARADIES

«Die heutige Jugend hat keinen Respekt vor Älteren» «Die heutige Jugend sitzt ständig vor dem Smartphone» «Früher war alles besser»

Diese und jene weiteren Aussagen, welche die Generation Z ins schlechte Licht stellt, bekommen wir Jungen ständig zu hören. Eine weitere Aussage, welche oft im Zusammenhang mit der Buchhandelsbranche gemacht wird ist folgende:

«Jugendliche lesen nicht mehr.»

Jugendliche lesen nicht mehr! Und trotzdem absolviere ich gerade eine Ausbildung als Buchhändlerin. Wenn junge Erwachsene keine Bücher mehr in die Hände nehmen, dann käme nun die Frage: Weshalb sich in einem Beruf ausbilden lassen, welcher sowieso ausstirbt, da die zukünftige Kundengeneration gar nicht mehr liest?

Ich versuche diese Frage zu beantworten. Sie so zu beantworten, wie eine 16-jährige Auszubildende sie mit ihrer noch mangelnder Erfahrung beantworten kann:

Ich bin überzeugt, dass dem nicht so sein wird. Denn dafür gibt es noch zu viele Bücherfans. Leser, welche erkennen, in welch wundervolle Welt dich jede einzelne Buchseite verschwinden lassen kann. Welche dich deinen Alltag vergessen lässt. Schade, dass das Buch noch ein Geheimtipp ist. Ironisch, wo es doch schon so lange existiert.  Nein, das Buch wird sicher noch lange nicht aussterben.

Das Buch ist widerstandsfähiger als du denkst. Im Mittelalter bestand nur ein geringer Bedarf an Büchern, da sehr wenige Gelehrte schreiben und lesen konnten. Tapfer kämpfte es bis ins 13./14 Jahrhundert ums Überleben, wo die Universitäten immer mehr aufblühten und der Bedarf anstieg. Dank Gutenberg schaffte das Buch den grossen Durchbruch. Auch breitere Bevölkerungsschichten lernten zu lesen, was zur Verbreitung der Buchkultur führte.

Im 17. Jahrhundert wurde die Buchkultur aufgrund des Dreissigjährigen Krieges stark geschwächt. Die Buchproduktion war aufgrund der grossen Armut und Hungersnot stark rückläufig.  20 Jahren nach dem Krieg waren die Folgen noch immer spürbar. Doch auch diese schwere Zeit meisterte das Buch erfolgreich.

1933 erlitt die Buchkultur grosse Brandverletzungen. In Deutschland wurden am 10. Mai 1933 tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken von den Nazis auf öffentlichen Plätzen verbrannt. Unter anderem waren Werken bekannter Autoren wie Erich Kästner oder Heinrich Mann, sowie auch viele jüdischen Schriftsteller dabei.

Mit dem Erscheinen von eBooks und eReaders wurde erneuert das Aussterben der Bücher vorhergesagt. Doch blicken wir uns um, so erblicken wir noch immer Bücher. Der Hype um eBooks ist zurückgegangen und nicht mehr so präsent, wie zu Beginn.

Natürlich, ich will es nicht verneinen, ermöglicht uns die moderne Technik, an viele Informationsquellen zu gelangen, ohne dafür ein Buch in die Hand zu nehmen. Das Internet ist eine tolle Erfindung. Dort findest du alles, was du suchst. Genau, was DU SUCHST!

Mark Forsyth schrieb in seinem Werk „Lob der guten Buchhandlung“ folgendes, ich zitiere:

„Es genügt nicht, etwas zu bekommen, von dem man schon weiss, dass man es wollte. Das Internet verschluckt Ihre Bedürfnisse und spuckt sie verdaut wieder aus. Das Unbekannte müssen wir woanders finden.“

An diesem Punkt, an welchem wir nun angelangt sind, will ich noch ein weiteres Zitat in die Runde werfen. Donald Rumsfeld meinte einst:

„Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Es gibt bekanntes Unbekanntes, also Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Aber es gibt auch unbekanntes Unbekanntes. Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

Im Internet ist es unmöglich nach etwas zu recherchieren, wovon du  nicht einmal weiss, dass es existiert. Kein Wunder, es ist dir unbekannt. Genau hier kommen die Bücher, bzw. die Buchhandlungen ins Spiel. Ziel von uns Buchhändler/innen ist es, das unbekannte Unbekannte unter die Leute zu bringen. Ist es nicht gerade das Unbekannte, was uns Menschen so sehr reizt?

Ich bin überzeugt, dass wir immer das Bedürfnis nach Büchern verspüren werden. Gerade weil es so viele Bücher gibt, welche es noch zu entdecken gilt. Die Menschen brauchen Bücher, nur wissen dies viele nicht. Noch nicht.  Und aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass auch in der heutige Zeit Buchhändler ausgebildet werden. Als Leser brauchen wir jemand, welcher uns eine Auswahl präsentiert. Genau dafür sind wir Buchhändler da.

Christopher Morley schrieb in seinem Werk „Das Haus der vergessenen Bücher“ folgendes:

"Das Leben in einer Buchhandlung ist wie das Leben in einem Munitionslager", erklärt Roger Mifflin einmal und serviert Aubrey Gilbert dazu Eier à la Samuel Butler:

"Die Regale sind angefüllt mit dem gefährlichsten Sprengstoff der Welt - dem menschlichen Geist."

Mein Lieblings-Munitionslager, dessen Regale aufgrund der Büchermenge schon beinahe platzen, ist das Buchparadies Ruoss in Winterthur.  Gibt es etwas Schöneres als Räume, welche gefüllt mit Büchern sind? Gerade heutzutage, wo der Minimalismus so beliebt ist, raubt es mir beim Anblick den Atem. Weit und breit stehen Regale und nur wer genau hinsieht, erkennt den Kater vorbeiflitzen, bzw. in seiner Box liegen, was öfters der Fall ist.

Eine Kundin fragte mich einst: «Was definiert euch, das Buchparadies?»

Das Besondere am Buchparadies ist diese Leidenschaft, diese Herzenslust. Wenn ich jemanden nennen müsste, welche aufgrund ihrer Leidenschaft sogar Risiken in Kauf nimmt, so wäre es ganz klar «Rahel Medea Lang»  Das Buchparadies ist ihr Traum, ihr Baby. Schon beim Betreten des Buchparadieses kannst du die positive Ausstrahlung von Rahel fühlen. Die positive Ausstrahlung, welche durch die ganze Buchhandlung schwebt.

Das Buchparadies ist ein Individuum. Ein wunderschönes Individuum, vergleichbar mit keiner anderen Buchhandlung und ich bin unendlich dankbar, dass ich Teil davon sein darf. Dass ich das Privileg habe meine Ausbildung an solch einem wunderbaren Ort auszuüben. Einem Ort, wo Passion und die Liebe zu Büchern zusammentrifft. Einem Ort, welcher perfekt unperfekt ist. Hier kann ich meinen Wissensdurst löschen.

Danke!